Dieser Guide soll eine Einführung in die technischen Basics der Fotografie geben. Was läuft eigentlich in der Kamera bei einem Foto ab? Was ist eine Blende, die Belichtungszeit, ISO, oder der Unterschied der verschiedenen Aufnahmemodi einer Kamera?

Wie entsteht ein Foto?

Damit am Ende ein Foto rauskommt, muss der Sensor der Kamera Licht aufnehmen. Das funktioniert immer nach dem selben Prinzip (Shutter oder “Vorhang” geht auf, Licht fällt durch das Objektiv auf die Kamer, Shutter geht nach der gewählten Belichtungszeit wieder zu).

Dabei gibt es drei grundlegende Faktoren, nämlich die Verschlusszeit (oder auch Belichtungszeit/shutter speed), die Blende (Aperture), und die ISO-Empfindlichkeit. Im Automatikmodus setzt die Kamera die Werte automatisch. Als guter Fotograf setzt man diese Feinheiten aber gezielt selbst, um bestimmte Effekte zu erzielen. Die Kamera weiß schließlich auch nicht was man genau vor hat.

Verschlusszeit

Die Verschlusszeit bestimmt, wie lange das Licht auf den Sensor fällt. Zu lang bedeutet das Bild wird überbelichtet und zu hell, zu kurz bedeutet, dass es unterbelichtet ist und Bereiche werden Schwarz oder die hellen Töne fehlen.

Shutter einer Alpha7 in Zeitlupe

Blende

Durch die Blende wird geregelt, wie viel Licht durch das Objektiv fällt. Das heißt natürlich auch: Für die selbe Belichtung braucht man bei geschlossener Blende eine längere Belichtungszeit.

Blende des Tamron 28-75mm F/2.8

ISO-Empfindlichkeit

Die Geschwindigkeit, in der der Sensor Licht aufnehmen kann, wird mit der ISO-Empfindlichkeit geregelt. Sozusagen eine digitale Verstärkung der Signale. Der Nachteil dabei ist, dass die Fehlsignale auch verstärkt werden, wodurch es zum bekannten Bildrauschen kommt. Hier am besten gleich vorweg: ISO immer so gering wie möglich, aber so hoch wie nötig. Bei den meisten Kameras kann man auch den Bereich einstellen, den sie im ISO Auto benutzt.

Frisch gereinigter Sensor der Alpha7

Zusammenspiel von Verschlusszeit, Blende und Nutzung als Möglichkeit der Bildgestaltung

Verschlusszeit

Die Verschlusszeit kann in der Bildgestaltung dazu benutzt werden, Bewegung darzustellen oder einzufrieren.

Beispiel: Die kurze Belichtungszeit von 1/4000 Sek stoppt den fahrenden Zug, bei 1/30 Sek verschwimmt er dann natürlich.

Bei längerer Belichtung ist natürlich die Gefahr der Verwacklung vorhanden. Was man selbst noch ruhig halten kann einfach austesten.

Blende

Eine größere Blende lässt mehr Licht durch. Das heißt man kann kürzer Belichten und bekommt das gleiche Foto. Vorteilhaft für Nachtfotografie. Außerdem will man als Fotograf den schicken Nebeneffekt der Blende ausnutzen, dass der Schärfebereich abnimmt. Der Hintergrund wird weich dargestellt und man kann sein Motiv damit abheben.

Beispiel:

Mit der Blende rechnen geht folgendermaßen:

Volle Blendenstufen: 1 – 1.4 – 2 – 2.8 – 4 – 5.6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32 – 45

Dabei lässt abblenden auf die nächste Stufe immer genau halb so viel Licht durch. Heißt: Ein foto mit 1/100 Sek auf Blende 1.4 ist gleich belichtet wie ein Foto mit 1/50 Sek und Blende 2.

Nützliches Cheat Sheet

Hier nochmal der Zusammenhang von Blende, Verschlusszeit und ISO in Kurzform:

Bereitgestellt durch Hamburger-Fotospots

Kameramodi und Einstellungen

Kameramodi

Nachdem wir jetzt eine grobe Ahnung haben was Verschlusszeit, Blende und ISO bewirkt, nun die Kameramodi:

Was ist eigentlich P, A, S und M? Je nach Hersteller heißen die Belichtungsmodi auch einmal etwas anders, aber meistens ähnlich. Das bezieht sich jetzt auf Sony.

Modi:

  • P: Programmautomatik (Kamera wählt Verschlusszeit und Blende selbst)
  • A: Blendenvorwahl / Aperture priority (Man wählt die Blende um beispielsweise gezielt eine Hintergrundunschärfe zu erzeugen. Die Kamera setzt die Belichtungszeit automatisch)
  • S: Zeitvorwahl / Shutter priority (Man wählt die Belichtungszeit um beispielsweise Bewegungsunschärfe zu erzeugen oder Bewegung einzufrieren)
  • M: Manueller Modus (Man stellt beides manuell ein)

Dabei kann in allen Modi noch das ISO gewählt werden oder auf Automatik belassen.

Außerdem gibt es teilweise Herstellerspezifische Modi oder Spielereien wie Panorama etc., wovon ich aber kein Fan bin. Ich möchte einfach die Kontrolle haben und nicht die Kamera entscheiden lassen. Wenn ich Panoramas mache, schnipsel ich die selber am PC zusammen.

Belichtungsmodi

Für die Belichtungsmessung gibt es auch verschiedene Modi (im Manuellen Modus wird diese natürlich ignoriert):

  • Mehrfeld/Multi: Das gesamte Bild wird so optimal wie möglich belichtet
  • Mittenbetont/Center: Es werden zum großteil die Mittleren Bereiche optimal Belichtet
  • Spot: Genau in der Mitte, oder an einem frei gesetzten Punkt wird belichtet

Spot eignet sich beispielsweise für Produktfotos. Es kann sein dass der Hintergrund dann unter oder überbelichtet ist, aber das Motiv ist richtig belichtet. Auch hier wieder: Ausprobieren

Persönlich nutze ich meistens Mehrfeld und passe dann über die +/- Korrektur an wenn nötig. Bei schwierigen Lichtverhältnissen oder Astrofotografie nutze ich den manuellen Modus.

Fokusmodi

Zum Autofokus gibt es auch verschiedene Modi:

  • AF-S: Single shot AF (Die Kamera fokussiert bei halbem durchdrücken des Auslöser ein mal)
  • AF-C: Continuous AF (Die Kamera fokussiert bei halten des Auslösers in halber Stellung dauerhaft)
  • MF: Manueller Fokus über das Rad am Objektiv

AF-C hilft bei bewegten Motive, beispielsweise eine Person die immer näher kommt. Das andauernde Fokussieren kann aber auch nerven.

Praxisbeispiele

  • Bewegung von einem Objekt darstellen: Modus S für Zeitvorwahl mit langer Belichtung, die man aber selbst noch ruhig halten kann
  • Hintergrundunschärfe kontrollieren: Modus A für Blendenpriorität und die gewünschte Blende setzen
  • Bewegung einfrieren: Im Modus S kurze Belichtung wie 1/2000 oder kürzer, dabei darauf achten dass das ISO nicht zu hoch wird falls es auf Auto steht.

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